Ruhige Phasen und Stille fühlen sich oft wie Stillstand an. Sind sie nicht. Es hat von außen nach nichts ausgeschaut. Ein paar ruhige Wochen. Wenig Programm. Wenig Output. Und doch waren es vielleicht die dichtesten Wochen des Jahres – die, in denen am meisten passiert ist. Nur eben nicht außen.

Ich begehe Geburtstage anders, als viele es vielleicht erwarten. Keine große Feier, kein voller Kalender. Stattdessen: Innehalten. Zurückschauen. Spüren. Was war dieses Lebensjahr? Was hat mich getragen? Was hat mich viel Energie gekostet? Und: Was darf ins nächste?

Das ist keine romantische Übung. Es ist manchmal echt sehr unbequem – weil man ehrlich sein muss. Weil man sich selbst gegenübersitzt, ohne Ablenkung, ohne Publikum. Aber es ist das Wertvollste, was ich mir schenken kann. Diese Zeit, die nur mir gehört.

Was ich dieses Jahr gespurt habe: Es ist viel gegangen. Und viel gekommen. Nicht immer in der Reihenfolge, die ich erwartet hätte. Aber immer genau so, wie es gebraucht wurde.

Wir leben in einer Zeit, wo Aktivität meist belohnt wird. Sichtbarkeit. Output. Das Gefühl, immer in Bewegung zu sein. Ich kenne diesen Sog. Ich kenne das ungute Gefühl, wenn es ruhig wird. Diese leise Frage, die dann auftaucht: Bin ich genug, wenn ich gerade nichts produziere?

In den letzten Wochen habe ich diese Frage krass ausgehalten. Nicht beantwortet. Einfach ausgehalten. Und dabei hab ich etwas gemerkt, das ich eigentlich schon weiß – aber immer wieder vergesse: Stille ist nicht Stillstand.

Stille ist der Raum, in dem das Wesentliche ans Licht kommt. In dem Gedanken landen dürfen, bevor sie wieder weggewirbelt werden. In dem der Körper nachkommt. In dem man sich selbst hört. Das klingt echt einfach. Es ist es aber absolut nicht – weil man sich da dann eben in der Stille begegnet, mit allem, was da ist. Dem Schönen. Dem Schwierigen. Den Fragen, die man gerne noch eine Weile verschoben hätte.

Und manchmal auch: einer Klarheit, die man nicht erwartet hat.

Ich bin Projektor. Human Design 4/1. Das klingt zunächst nach etwas Theoretischen, nach System, nach Schublade. Für mich ist es inzwischen etwas anderes geworden: eine Erinnerung. Eine Erlaubnis. Eine Entlastung.

Ich habe nicht die Energie eines Generators. Ich bin nicht gemacht für Dauerbetrieb. Mein Rhythmus ist ein komplett anderer. Und ich habe lange gebraucht, das wirklich anzunehmen – nicht intellektuell, vom Kopf, das war schnell. Sondern im Körper. Im Alltag. Im echten Leben.

In den ruhigen Wochen hier am Kraftplatz Anima habe ich es wieder klar gespürt: den Unterschied zwischen angetrieben sein und eingeladen sein. Zwischen erzwingen und fließen. Zwischen sehen wollen und gesehen werden. Als Projektor 4/1 gibt es eine Art, wie ich wirke, die mir einfach liegt, die natürlich ist – die keine Energie kostet, sondern Energie gibt. Und die genau dann entsteht, wenn ich ich selbst bin.

Die Stille hat mir das wieder gezeigt. Klar. Voll unaufgeregt. Fast wie eine alte Freundin, die sagt: Ich hab’s dir doch gesagt.

Es gibt diese Momente, die klein sind. Fast nicht erwähnenswert. Wohl auch nur für mich so besonders und für Außenstehende eher ein Fragezeichen. Und trotzdem zeigen sie doch alles. Morgens aufstehen, wenn es noch still ist. Draußen sein, bevor der Tag Anforderungen stellt. Den Boden spüren. Den Himmel lesen. Den Tieren zuschauen, die ihren Rhythmus haben – unbeeindruckt von dem, was wir für wichtig halten.

Diese Momente haben in den letzten Wochen hier am Kraftplatz Anima immer mehr Raum bekommen. Nicht weil ich sie geplant habe – sondern weil sie entstehen, wenn ich nicht zu viel anderes einfülle. Und in diesen Momenten denke ich: So. So will ich leben. So will ich wirken.

Nicht aus dem Druck heraus. Nicht für das Bild, das andere womöglich haben. Sondern eben aus dieser Stille heraus, die mehr trägt als jede Strategie.

Ich bin Hüterin des Kraftplatz Anima. Ich bin Gründerin von Shanima Transformative Trails. Ich bin Initiatorin der Wildroots Trails – etwas, das gerade erst ganz zart wächst. Und ich bin Juliane. Mensch. Seele. Einfach hier.

Manchmal vergesse ich das. Manchmal stecke ich so im Kopf, tief in den Rollen – in dem, was ich tun soll, zeigen soll, was von mir erwartet wird – dass ich vergesse, wer unter all dem ist.

Die Stille erinnert mich. Immer wieder. Sie sagt: Die Rollen sind echt. Und du bist mehr als sie.

Juliane – Mensch, Seele, hier – ist das Fundament. Nicht die Projekte. Nicht die Pläne. Und von dort aus, aus diesem Fundament eben, wirken alle Rollen irgendwie anders. Leichter. Echter. Nachhaltiger. Weil sie aus mir kommen und nicht an mir zerren.

Ich stelle mir nicht mehr die Frage: Was will ich erreichen? Diese Frage kenne ich, ich kann sie beantworten. Aber sie trägt mich nicht mehr so wie früher.
Die Frage, die mich gerade wirklich beschäftigt: Welche Art von Alltag brauche ich, um die beste Version von mir zu sein?

Nicht: Was soll ich werden? Sondern: Wie soll es sich anfühlen? Was brauche ich wirklich – und nicht nur was soll ich wollen? Stille. Das weiß ich inzwischen. Nicht immer, nicht nur. Aber regelmäßig, als eine Art Grundierung. Als mein Rückgrat.

Weg vom Vergleich. Das ist schwerer. Der Sog ist für uns alle doch real – Social Media, andere Unternehmerinnen, andere Wege, die Frage, ob ich richtig liege, wenn ich so anders funktioniere. Und dann kommt die Erinnerung: Ich bin Projektor 4/1. Mein Weg ist nicht der Weg der anderen. Mein Weg ist meiner. Und das klingt so einfach. Und ist gleichzeitig das, woran ich am meisten übe.

Staubiger Feldweg führt durch Waldgebiet bei farbenfrohem Abendhimmel.

Ich schreibe Bewusst-Sein gerne mit Bindestrich. Weil es für mich keine Eigenschaft ist, die man hat oder nicht hat. Sondern eher eine Praxis. Eben eine tägliche Entscheidung.

Bewusst zu sein bedeutet für mich: innehalten, bevor ich reagiere. Spüren, bevor ich entscheide. Fragen, bevor ich annehme. Und: ehrlich bleiben – auch wenn das unbequem ist.

In den ruhigen Wochen ist diese Praxis intensiver geworden. Weil es weniger Ablenkung hier am Kraftplatz gibt. Weil die Stille Raum gelassen hat. Weil ich nicht so leicht fliehen konnte. Ich habe Dinge gesehen, die ich lieber noch nicht gesehen hätte. Muster, die sich wiederholen. Momente, in denen ich mich kleiner mache, als ich bin. Und ich habe das nicht sofort geändert. Ich habe es nur gesehen. Das reicht. Das ist genug. Das ist der Anfang.

Da ist noch etwas, das ich in diesen Wochen immer deutlicher spüre. Und das mich gleichzeitig echt noch etwas kostet. Präsenz. Sichtbarkeit. Das Zeigen von dem, was ich tue. Wer ich bin. Was ich spüre. Nicht hinter Formaten. Nicht hinter Strategien. Sondern so. Wie jetzt.

Ich weiß, dass mein Weg diese Sichtbarkeit braucht. Als Projektor 4/1 lebe ich von Verbindung, von Resonanz. Von Menschen, die mich sehen und sagen: Das bist du. Das will ich auch. Das passiert nicht im Verborgenen. Und trotzdem ist es für mich noch nicht selbstverständlich, noch nicht mühelos. Noch nicht ohne das leise Fragen: Ist das zu viel? Zu persönlich? Zu roh? Darf ich das zeigen?

Die Antwort, die ich in der Stille bekomme: Ja. Gerade das. Gerade so. Weil Echtheit trägt – in beide Richtungen. Sie trägt die Menschen, die sich darin wiedererkennen. Und sie trägt mich.

Sonnenlicht durchflutet den Wald am Kraftplatz Anima – Ort zugänglich gemacht durch Shanima für Rückverbindung, Visionssuche, naturbasierter Austausch und stille Transformation.

Ich sitze gerade also an dieser Schwelle. Ein neues Lebensjahr beginnt bald. Mehr Stille – bewusst gewählt, nicht als Rückzug, sondern als Quelle. Mehr Vertrauen in den eigenen Rhythmus. Weniger Vergleich. Die Rollen, die echt sind – und der Mensch darunter.

Und: mehr Sichtbarkeit. Mehr Präsenz. Mehr Zeigen. Nicht weil es erwartet wird – sondern weil es zu dem gehört, wofür ich hier bin. Weil dieser Weg jemanden braucht, der ihn geht – und zeigt, dass es geht.

Die Wild Roots Trails wachsen gerade. Zart. Langsam. In dem Tempo, das ihnen entspricht. Shanima Transformative Trails trägt langsam, was ich in Jahren aufgebaut habe. Und der Kraftplatz Anima – er ist immer mehr meine Heimat. Fundament. Raum für alles, was noch kommt.

Ich stehe heute also an dieser Schwelle. Nicht mit einem großen Plan. Sondern mit einer klaren Ausrichtung: Ganz hier sein. Ganz ich sein. Ganz.

Diese ruhigen Phasen, in denen es sich anfühlt, als würde man zurückfallen. Als würden alle anderen voranschreiten – und du stehst still. Ich möchte dir sagen: Du stehst nicht still. Du sammelst dich. Du ordnest dich. Du bereitest dich vor auf das, was kommt.

Stille ist aktiv. Auch wenn sie von außen nach nichts aussieht. Gerade dann.

Und die Frage, die ich dir mitgeben möchte: Nicht: Was musst du als nächstes tun? Sondern: Welche Art von Alltag brauchst du – um ganz du selbst zu sein?
Das ist die Frage, die trägt. Die, auf die es sich lohnt, eine Antwort zu finden. Auch wenn sie Zeit braucht. Besonders dann.

Waldweg bei Sonnenuntergang – Sinnbild für Wandel und neue Wege

Stille.

Danke, dass du hier bist.
In deiner Wahrheit. In deinem Mut. In deinem Werden.
Mit Liebe,
Juliane, Gründerin von Shanima

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