Ich weiß nicht mehr genau, wie ich mich vorstellen soll. Das klingt seltsam für jemanden, der seit etwa zehn Jahren selbstständig ist. Der eine Website hat. Positionierung. Angebote. Worte für das, was er tut.
Und trotzdem sitze ich gerade genau hier.
Nicht in einer Krise. Das ist wichtig zu sagen. Eher in einem von diesen Momenten, in denen etwas Altes nicht mehr ganz passt – und das Neue noch keine feste Form hat. Dieser Raum dazwischen. Ich kenne ihn. Ich begleite andere Menschen genau dort. Und jetzt bin ich selbst wieder mittendrin.
Was gerade passiert – ehrlich
Ich schaue auf meine Website und denke: Das stimmt. Und gleichzeitig: Das bin ich nicht mehr ganz.
Nicht weil ich mich verirrt habe. Sondern weil ich eben weitergegangen bin. Weil das Leben in den letzten Monaten einiges in Bewegung gebracht hat – und ich gemerkt habe, dass das, was ich nach außen zeige, dem nicht mehr ganz entspricht, was innen passiert.
Ich habe mich immer als Begleiterin beschrieben. Als Raumhalterin. Als jemand, der Menschen in Übergängen begleitet. Das stimmt alles. Das ist meine Positionierung. Aber irgendwie ist da noch etwas, das ich lange nicht klar ausgesprochen habe:
Ich sehe. Oft bevor jemand selbst sieht, was los ist.
Das ist nicht arrogant gemeint. Es ist einfach das, was mir Menschen immer wieder zurück spiegeln. Dieser Moment, in dem aus einem diffusen Gefühl plötzlich ein klares „Ah. Darum geht es eigentlich“ wird. Das ist der Moment, für den ich lebe. Das ist das, was ich wirklich tue.
Warum habe ich das so lange nicht vorne hingestellt?

Die Angst, sich mit einer Positionierung festzulegen
Ich glaube, es hat mit Angst zu tun. Nicht mit großer, dramatischer Angst. Sondern mit dieser leisen Variante: der Angst, zu viel zu behaupten. Zu viel zu sein. Sich festzulegen auf etwas, das man dann auch „aushalten“ muss.
Wenn ich sage „ich begleite Menschen in Übergängen“, dann ist das durchaus eine Positionierung. Aber es ist auch weit genug, dass ich mich dahinter doch irgendwie verstecken kann. Wenn ich sage „ich sehe, was unter der Oberfläche passiert – bei dir, in deinem Business, in deinem Leben“, dann ist das konkret. Dann darf ich es auch halten. Dann werde ich mit dem was ich sage um einiges präsenter.
Und ich glaube, genau das ist der Punkt, an dem ich gerade stehe. Bereit, es zu halten. Bereit, klarer zu sagen, wer ich bin – auch wenn das bedeutet, dass ich nicht mehr für jeden bin. Was ich sowieso auch nie war, was ja das amüsante an dieser Sache ist.
Im Endeffekt ist das, glaube ich, das Mutigste, was man als Selbstständige tun kann.
Was sich gerade verschiebt
Ich merke, dass ich zwei Welten in mir trage – und dass ich sie lange säuberlich getrennt gehalten habe.
Die eine Welt: Strategie. Klarheit. Struktur. Zehn Jahre Unternehmertum. Ich kenne Positionierung, ich kenne Markenaufbau, ich kenne die Entscheidungen, die kommen, wenn ein Business wächst oder nicht mehr passt. Die andere Welt: Natur. Stille. Das Spüren. Der Kraftplatz Anima. Die Arbeit mit dem, was sich nicht erklären lässt, aber trotzdem wahr ist.
Ich habe diese beiden Welten lange wie zwei verschiedene Angebote behandelt. Dabei sind sie eigentlich ein und dieselbe Haltung. Eben voll ich.
Wer wirklich hinschaut – auf ein Business, auf eine Entscheidung, auf einen Menschen – braucht beides. Die Klarheit des Verstehens. Und die Stille des Wartens, bis das Richtige ans Licht kommt.
Das ist Shanima. Das bin ich. Und ich lerne gerade, das auch so ganz klar zu sagen.

Warum ich das hier schreibe
Nicht weil ich eine komplette Antwort habe. Ich habe sie noch nicht.
Ich schreibe es, weil ich glaube, dass dieser Prozess – das Nachschärfen, das Neu-Formulieren, das Aushalten von Unklarheit – genauso zur Arbeit gehört wie das fertige Ergebnis; es ist ein essentieller Teil davon. Und weil ich in diesem Journal genau das zeigen will: den echten Weg. Nicht nur das, was am Ende schön aussieht.
Ich sitze gerade mit Notizen, fremden Rückmeldungen, meinen eigenen Texten und der Frage: Wer bin ich, wenn ich aufhöre, mich erklären zu wollen?
Und je länger ich damit sitze, desto klarer wird mir: Die Antwort darauf ist nicht eine neue Headline. Sie ist eine Haltung. MEINE ganz persönliche Haltung.

